„LOKAL-GLOBAL“

Wie lokales Handeln zu internationalen Erfahrungen führen kann

Viele Jugendliche interessieren sich für einen längeren Aufenthalt im Ausland. "Mal was Sinnvolles, mal was Anderes machen, anderen Menschen, denen es weniger gut geht, helfen" - das sind die häufigsten Gründe, warum junge Leute sich im Ausland engagieren wollen. Ob Praktikum oder Freiwilligendienst, Hauptsache „Raus von zu Haus"!

Und natürlich kann z.B. ein Freiwilligendienst im Ausland viel bringen: man sammelt erste Berufserfahrungen, erweitert seine Fremdsprachenkenntnisse, man lernt, sich auf Menschen fremder Kulturen einzustellen, man lernt, wie man Projekte durchführt, mit Stress und Schwierigkeiten umgeht usw. Das sind sicherlich alles wichtige Kenntnisse und Fähigkeiten, die auch für das spätere Berufsleben ganz nützlich sein können. Kurz: Freiwilliges Engagement im Ausland kann nicht nur Spass machen und interessant sein, sondern kann für jeden persönlich und beruflich etwas bringen. Allerdings stellen viele, die einen Freiwilligendienst im Ausland planen, nach kurzer Zeit eher frustriert fest, dass Auslandsaufenthalte, auch wenn man sich sozial bzw. gesellschaftlich engagiert, oft viel Geld kosten.

Eine Alternative bietet ein Engagement "vor der Haustür". Dies ist kostenfrei, viel einfacher zu organisieren und genauso spannend und erfüllend wie ein Aufenthalt im Ausland!

(Die Auflistung stellt nur einen sehr kleinen Teil der Vereine und Verbände dar, in denen ein ehrenamtliches Engagement möglich ist. Die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wertet die Vereine/Verbände nicht).

    Die Vorteile des lokalen Engagements  

    • Zunächst einmal besteht schon Kontakt zu möglichen Organisationen, die Aufenthalte im Ausland anbieten, die auch gerne für ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen aktiv werden und Förderanträge stellen.
       
    • Viele Organisationen, Verbände und Vereine in Deutschland arbeiten zu internationalen Themen. Hierbei ergeben sich automatisch viele Kontakte zu Trägern im Ausland. Über diesen Weg entstehen Jugendbegegnungen, Austauschfahrten und Besucherreisen, die dann natürlich in erster Linie den ehrenamtlichen Mitarbeiter(inne)n des Vereins/Verbandes offen stehen. 
        
    • Die so entstandenen Auslandsaufenthalte haben natürlich den Vorteil, dass freundschaftliche Kontakte und Unterstützung im Ausland garantiert sind. Ein Land kann so aus einer anderen Perspektive als aus der des Touristen bzw. der Touristin kennen gelernt werden.
       
    • Ein weiterer Vorteil ist auch, dass die Ehrenamtlichen durch ihr langfristiges Engagement unterschiedliche Kompetenzen (soziale und interkulturelle Kompetenz, Länderkenntnisse,…) erwerben, die auch für die Ausbildung und den Beruf hilfreich sein können.

    Wir wollen euch einige Organisationen in Deutschland vorstellen, die sowohl in Deutschland aktiv sind, als auch internationale Kontakte pflegen und internationale Maßnahmen durchführen.

    Wichtig ist, dass euer Engagement bei diesen Trägern nicht direkt im Ausland beginnt, sondern auf lokaler Ebene – bei euch vor der Haustür.

    Ihr solltet also nicht davon ausgehen, dass ihr direkt in den nächsten zwei Monaten ins Ausland geschickt werdet. Ohnehin profitiert ihr am meisten von eurem Engagement, wenn ihr den Aufgaben offen gegenüber steht und euren Einsatz im Inland nicht ausschließlich als "Mittel zum Zweck" versteht.

    Kosten

    „Warum soll ich denn für einen Freiwilligendienst, der im Ausland stattfindet, 5.000 € zahlen? Ich arbeite doch dort für ein Jahr?“ Diese Frage stellen viele Jugendliche.
    Aus dem Blickwinkel der Organisationen, die Jugendliche im Ausland aufnehmen, klärt sich die Frage schnell: „Warum sollten wir als Organisation im Ausland eine/-n Deutsche/-n einfliegen lassen, die/der zwar freiwillig arbeitet, für die/den aber Reisekosten, Unterbringungs- und Verpflegungskosten anfallen? Arbeitskräfte finden sich auch in den hinteren Winkeln dieser Erde und häufig arbeiten die Menschen vor Ort gegen eine geringere Gegenleistung, haben niedrigere Ansprüche hinsichtlich des Lebensstandards, sind das vielleicht tropische Klima gewöhnt, sprechen fließend die Landessprache usw..." Einen deutschen Schulabschluss in der Tasche zu haben qualifiziert leider noch nicht für einen Beruf, das heißt, die Organisation im Ausland muss die Freiwilligen auf jeden Fall betreuen und anlernen, was einen großen Arbeitsaufwand bedeuten kann.

    Solange also kein Förderprogramm oder Stipendium für diese Kosten aufkommt, sind die Kosten eines Freiwilligendienstes im Ausland von den Jugendlichen selbst zu tragen. Nebenbei bemerkt, finden die meisten Freiwilligentätigkeiten, sowohl in Deutschland als auch im Ausland, außerhalb der geförderten Freiwilligendienste (Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ), Freiwilliges Soziales Jahr in der Kultur und im Sport, Europäischer Freiwilligendienst, entwicklungspolitischer Freiwilligendienst "weltwärts") statt und kosten die/den Freiwillige/-n somit Geld.

    Bei geförderten Auslandsaufenthalten gibt es häufig das Problem, dass Trägerorganisationen nur interne Bewerbungen berücksichtigen, also Jugendliche ins Ausland schicken, die sich bereits bei den Organisationen in Deutschland engagiert haben!

    Es gilt also: Die Chancen, günstig ins Ausland zu kommen, steigen, wenn man bereits zuhause anfängt, sich zu engagieren. Allerdings wer nur ins Ausland will, sollte nicht den Weg über die ehrenamtliche Arbeit wählen!

    Anne in Afrika

    Wie ein Weg vom Heimatort ins ferne Ausland aussehen kann, lest ihr im Erfahrungsbericht von Anne Velder:

    "Mein Name ist Anne Velder, ich bin 21 Jahre alt und studiere Politische Wissenschaft in Bonn.
    Einmal nach Afrika zu fliegen war für mich schon immer ein großer Traum, der aber relativ unerreichbar schien. 2004 hatte ich dennoch die Chance für fünf Wochen nach Ruanda zu fliegen und jede Menge ungewöhnliche Erfahrungen zu machen.

    Begonnen hat alles mit meiner Leitungstätigkeit in Grevenbroich. Dort bin ich seit vielen Jahren Mitglied bei den Georgspfadfindern und leite seit etwa drei Jahren meine „eigene“ Wölflingsgruppe (Wölflinge sind Kinder im Alter zwischen 7 und 11 Jahren). Über dieses Engagement kam ich vor etwa eineinhalb Jahren zum Diözesanarbeitskreis Entwicklungsfragen. (Der Arbeitskreis beschäftigt sich mit entwicklungspolitischen Inhalten und gibt diese an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene weiter.)

    Im letzten Jahr hatte unser Verband eine gemeinsame Jahresaktion mit dem ASR (Assoziation du Scouts du Ruanda), den ruandischen Pfadfindern und es gab im Rahmen dieser Aktion die Möglichkeit nach Ruanda zu fliegen, um dort gemeinsam mit Pfadfindern aus Ruanda ein Workcamp durchzuführen.

    Diese Chance habe ich ergriffen. Mir hat diese Reise nach Afrika viele verschiedene Dinge gezeigt und meine Wahrnehmung verändert. So sehe ich heute viele Dinge mit anderen Augen (zum Beispiel die Tatsache, dass wir in Deutschland immer und überall fließend Wasser und Strom zur Verfügung haben) und bin mir sicher, dass mein ehrenamtliches Engagement hier in der Diözese Köln sich lohnt.

    Die Reise nach Afrika würde ich immer wieder machen und ich kann jeden nur dazu ermutigen sich zum Einen vor Ort zu engagieren und zum Anderen eine Chance, wie sie sich mir geboten hatte, auf jeden Fall anzunehmen!"

    Vom Abenteuer, sich zu engagieren - Expedition WELT

    Acht Monate lang reisten Jan, Tim und Matti für ihr Projekt "expedition WELT - Dialog für nachhaltige Entwicklung" durch Asien, Afrika und Lateinamerika. Ihr Ziel war es, sogenannte Sozialunternehmer/-innen (social entrepreneurs) zu treffen. Dies sind Menschen, die sich entschlossen haben, etwas gegen die sozialen und gesellschaftlichen Probleme in ihrer Umwelt zu tun, ohne sich davon finanzielle Vorteile zu versprechen. Sie kämpfen gegen Armut und Ausbeutung, sie setzen sich für eine nachhaltige Entwicklung ein. Die drei Wirtschaftsstudenten gingen der Frage nach, welche Motivation diese Menschen antreibt und ob man sozialunternehmerisches Handeln erlernen kann.
    Neben ungefähr 300 Reiseberichten in Tagebuchform entstanden währen der Reise 36 Reportagen und etwa 9000 Fotos. Aus diesem Material ist das Buch Expedition Welt entstanden, in dem Jan, Tim und Matti von ihrer Reise berichten, Antworten auf die gestellten Fragen liefern und zum nachhaltigen Denken und Handeln auffordern. Lasst euch von diesem Einsatz anstecken und engagiert euch im Ausland. Dieses Buch kann euch Anregungen geben, wie man selbst mitwirken kann und zeigt, dass Eigeninitiative viel bewegen kann.

    Vereine/Verbände, die auf internationale Themen ausgerichtet sind 

    Einige Vereine und Verbände sind ausschließlich mit internationalen Themen beschäftigt. Dies kann ein Verein der internationalen Jugendarbeit, eine Eine-Welt-Gruppierung oder eine Friedensinitiative sein.

    Die Arbeit in diesen Gruppen deckt oft ein breites Spektrum ab. Ob eine Mitarbeit in der „Ost West AG“ des Service Civil International/SCI (www.sci-d.de/cms) oder die (Mit-)Organisationen eines Sommerlagers im Leitungskreis von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste/ASF (www.asf-ev.de). Aber auch im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit werden oft ehrenamtliche Helfer gesucht. Bei den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten e.V./IJGD (www.ijgd.de/Arbeitskreise.63.0.html) gibt es zum Beispiel eine AG Rundbrief, in der ein ehrenamtliches Redaktionsteam vierteljährliche Rundbriefausgaben erstellt.

    Ehrenamtliches Engagement ist z.B. in folgenden Organisationen mit internationalem Thema möglich:

    Sportverbände

    Die Deutsche Sportjugend (DSJ) ist die Jugendorganisation des Deutschen Sportbundes (DSB). Dieser ist die Dachorganisation des Deutschen Sportes.Insgesamt sind über 87.000 Sport- und Turnvereine Mitglied des DSB. Junge Menschen können sich in zahlreichen Mitgliedsverbänden ehrenamtlich engagieren. Dass in diesem Rahmen die Möglichkeit eines internationalen Engagements besteht, zeigt die Deutsche Sportjugend auf ihrer Internetseite: www.dsj.de > Handlungsfelder > Junges Engagement.

    Natur- und Umweltverbände

    Auch im Umwelt- und Naturschutzbereich gibt es zahlreiche Vereine und Verbände, in denen ein freiwilliges Engagement möglich ist. Meistens findet diese Mitarbeit in Gruppen auf lokaler Ebene statt. Folgende große Umweltverbände bieten ein bundesweites Netz an Lokal- und Regionalgruppen und arbeiten auch im internationalen Bereich: 

     

    Musikvereine/-verbände

    Auch viele Musikvereine sind im internationalen Kontext aktiv. Ob eine Konzertreise nach Japan oder eine Jugendbegegnung mit Polen, es gibt viele Möglichkeiten eines Auslandsaufenthaltes für die Mitglieder des Vereines. Dachverbände wie die Deutsche Bläserjugend informieren auf ihrer Internetseite  www.deutsche-blaeserjugend.de > International z.B. über Fördermöglichkeiten internationaler Jugendbegegnungen.

    Weltweit tätig ist das Netzwerk Jeunesses Musicales, das sich an alle jungen Menschen richtet, die im Musikbereich aktiv sind: www.jmd.info.

    Junge Musiker/-innen und Freiwillige können sich ebenso beim Hamburger Jugendverband Musiker ohne Grenzen e.V. (http://musikerohnegrenzen.de) über Einsatzmöglichkeiten informieren. Der Verband hilft Kindern und Jugendlichen weltweit musikalisch aktiv zu werden.

    Politische Jugendverbände

    Viele politische Jugendgruppen engagieren sich zu internationalen Themen bzw. in internationalen Netzwerken.

    • Bei der Sozialistischen Jugend Deutschlands - Die Falken ist Internationalismus Teil der sozialistischen Bildungs- und Erziehungsarbeit: www.wir-falken.de > Themen > Internationales
    • Die Junge Union engagiert sich z.B. auf Europa-Ebene bei der Youth organisation of the European People's Party: www.junge-union.de
    • Auch die Jusos (JungsozialistInnen in der SPD www.jusos.de) und politische Jugendverband Solid (www.linksjugend-solid.de), welcher der Partei "Die Linke" nahesteht, arbeiten eng mit ihren europäischen Partnerorganisationen zusammen und engagieren sich auf internationaler Ebene mit Seminaren, Festivals und ähnlichem.
    • Die Grüne Jugend engagiert sich in verschiedenen internationalen Themenbereichen. Seminare, Veranstaltungen und Begegnungen mit verschiedenen internationalen Partnern finden sich unter www.gruene-jugend.de > Themen > Europa&Globales.
    • Die Julis, also die Jungen Liberalen, arbeiten im Bereich Internationales mit verschiedenen anderen liberalen Jugendverbänden europaweit. Infos dazu gibt es unter www.julis.de > Wir Julis > Internationales.

    Internationales Engagement bieten auch die jungen europäischen Föderalisten, die sich seit über 50 Jahren für ein vereintes Europa mit föderalen Strukturen einsetzen (www.jef.de).

    „Junge Wege in Europa“ ist ein Programm der Robert Bosch Stiftung in Trägerschaft des MitOst e.V., mit dessen Hilfe Jugendliche eigene internationale Projekte entwickeln können. Mehr Informationen findet ihr unter www.bosch-stiftung.de/content/language1/html/1005.asp

    Kirchliche Jugendverbände

    Zahlreiche kirchliche Jugendverbände arbeiten in internationalen Netzwerken. Die Katholische Landjugendbewegung Deutschlands e.V. (www.kljb.org) ist z.B. europa- und weltweit im „Mouvement International de la Jeunesse Agricole et Rurale Catholique“ eingebunden. (Europa: www.mijarc.info, weltweit: www.mijarc.net)

    Ein weiterer internationaler Verband ist Kolping. Informationen findet man auf der Internetseite der Kolping Jugend jugend.kolping.de, auf der Seite von Kolping Deutschland www.kolping.de sowie bei Kolping International www.kolping.net.  

    Ebenfalls international aktiv ist der Christliche Verein junger Menschen/CVJM (www.cvjm.de): neben der nationalen Arbeit gibt es auch eine europäische (www.ymcaeurope.com) und weltweite (www.ymca.int) Organisation.

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