Zum Schutz der Küsten und Dünen auf Wangerooge:
Ein internationales Workcamp aus der Perspektive eines Teamers


Uwe studiert Fremdsprachen und interkulturelle Germanistik. Gemeinsam mit Anne leitete er ein internationales Workcamp auf Wangerooge. Vom 1. bis zum 15. April 2006 pflanzte eine Gruppe von 19 Jugendlichen aus 5 Nationen Strandhafer zum Schutz der Dünen und Küste der Nordsee-Insel. Organisiert wurde das Workcamp von den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten (ijgd).

Uwes Motivation war folgende: "Ich wollte die Erfahrung machen, für etwas verantwortlich zu sein und natürlich auch Spaß dabei haben. In dem international besetzten Camp lernte ich interessante Menschen aus vielen Teilen der Welt kennen, ich fand Freunde auf der ganzen Welt, lernte Vorurteile abzubauen. Man kann sagen, das Camp hat mir geholfen, reifer und gewandter im Umgang mit Menschen aus verschiedenen Kulturen zu werden. Vielleicht macht sich dies auch in meinem im Lebenslauf gut.
Durch die Arbeit ist ein Workcamp eine preiswerte Möglichkeit, andere Länder und Kulturen kennen zu lernen. Außerdem hat so ein Workcamp immer einen Hauch von Abenteuer. Danach gibt es meist viel zu erzählen, weil ständig irgendetwas passiert. Ich kann es wirklich sehr empfehlen, an einem internationalen Workcamp teilzunehmen.“


Uwe hat seine Workcamperlebnisse in einem Tagebuch festgehalten:

Unsere Unterkunft befand sich im Westen der Insel und der Arbeitsplatz im Nordosten. Die knapp 6 km von der Unterkunft zum Arbeitsplatz fuhren wir jeden Tag mit geliehenen Fahrrädern.

    Freitag, 30.3.06 (1 Tag vor Campbeginn)

    Anne reiste am Donnerstag an, ich musste die Fähre am nächsten Tag nehmen. Wir trafen uns am Freitagmittag am Hafen von Wangerooge. Mein Gepäck wurde mit einem Zug in die Stadt gebracht, obwohl die Unterkunft ziemlich in der Nähe vom Hafen ist. Ich wollte auch zuerst in die Stadt fahren, aber nachdem ich Anne getroffen hatte entschieden wir uns zuerst zur Unterkunft zu gehen. Später gingen wir dann in die Stadt und holten unsere Fahrräder und mein Gepäck am Bahnhof ab. Dann trafen wir uns mit unserem Projektleiter Herrn Lind und besprachen Dinge wie Arbeitszeit, Arbeitsort,… Den Rest des Tages verbrachten wir damit, die Ankunft der Gruppe vorzubereiten, Listen zu schreiben und Kennenlernspiele zu schreiben. Und Basketball zu spielen...

    Samstag, 1.4.06 (1. Tag)

    Am Samstag fuhren wir mehrmals zum Hafen, um die TeilnehmerInnen abzuholen und aufzupassen, dass sie nicht erst mit dem Zug in die Stadt fuhren. Auf der ersten Fähre waren Svea, Caroline, Svenja und Valerie (alle 16 Jahre alt, alle aus Deutschland), auf der zweiten Fähre Lisa (18, D), Lukas(16, D), Chiara(17, D) und Maren (16, D). Auf der dritten Fähre waren Boris (25, Kroatien), Rachel (18, USA), Yeon Young (23, Korea), So-Young (23, Korea), Susanne (25, D), Irina (18, Russland), Pavel (16, Russland), Gregor (25, D) und Seppi (20, D). Abends spielten wir dann Kennenlernspiele und erläuterten organisatorische Fragen.

    Sonntag, 2.4.06 (2. Tag)

    Nach dem Frühstück gingen wir mit der ganzen Gruppe in die Stadt um die Fahrräder abzuholen, die Stadt zu zeigen. Um 12.30 gab es Mittagessen, den Nachmittag bis zum Abendessen um 18.30 ließen wir frei. Nach dem Abendessen spielten wir noch mehr Kennenlernspiele (z.B. Gemeinsamkeiten/Unterschiede), erstellten einen Wochenplan, erläuterten den Ablauf des Arbeitstages und zogen Lose für das Secret-Friend-Spiel.

    Montag, 3.4.06 (3. Tag)

    Wir trafen den Projektträger Herrn Herbert Lind morgens um 8 Uhr. Er erklärte uns was wir zu tun haben und wo wir arbeiten. Er erklärte uns genau wie man den Strandhafer pflanzen muss. Wir konnten uns zu der Zeit noch von einem Haufen von gestochenem Strandhafer bedienen, den wir nur noch einpflanzen mussten...
    Nachmittags kam die dritte koreanische Teilnehmerin Yoo-Jin, 21, an. Ihre Fähre hatte schon angelegt als wir noch bei der Arbeit waren, deswegen konnten wir sie nicht abholen. Abends spielten wir dann noch ein Tischtennisturnier an dem sich 12 Spieler beteiligten.

    Dienstag, 4.4.06 (4. Tag)

    Der zweite Arbeitstag begann mit leichtem Regen, bald kam jedoch die Sonne heraus. Nach der Arbeit besuchten wir einen Leuchtturm in der Stadt. Abends spielten wir für Yoo-Jin und Laura noch einmal Kennenlernspiele. Danach machten wir noch einen interkulturellen Abend mit Spielen über verschiedene Kulturen.

    Mittwoch, 5.4.06 (5.Tag)

    Den ganzen Tag über hatten wir schönes Wetter. Der Haufen mit Strandhafer ging zur Neige und Herr Lind kam vorbei und erklärte uns wie wir den Strandhafer in dicht bewachsenen Gegenden selber stechen. Nachmittags spielten wir drei jeweils 20 Minuten lange Fußballmatches mit 6 Spielern in jeder Mannschaft. Anne war mit einem Teil der Gruppe in der Stadt. Dort wurde ein Film mit Peter Lustig über Ernährung gezeigt.

    Freitag, 7.4.06 (7. Tag)

    Das Wetter war bei der Arbeit sehr warm und die Sonne schien, so dass spätestens an diesem Tag die meisten Teilnehmer einen leichten Sonnenbrand im Gesicht hatten. Wir änderten unseren Arbeitsort. Bisher hatten wir fast immer links vom Weg zum Strand Strandhafer gepflanzt, jetzt pflanzten wir rechts vom Weg. Lisa und Lukas organisierten eine Strand-olympiade bei der wir uns in 2 Disziplinen maßen, nämlich Staffellauf mit Strandhafer und jeder der beiden Gruppen musste sich an den Füßen fassen und über den Strand rollen. Abends ging ein Teil der Gruppe ins Kino. Später in der Disko war die Gruppe wieder vollständig.

    Das Wochenende

    Der Samstagvormittag war frei und nachmittags gingen wir ins Schwimmbad. Wir mussten keinen Eintritt zahlen, weil die Kurverwaltung uns den Eintritt erließ. An diesem Tag kam noch eine andere Gruppe an und wohnte in der Unterkunft. Diese Gruppe bestand größtenteils aus Senioren und wenigen jüngeren Leuten. Das war ein guter Kontrast, aber wir hatten keine Schwierigkeiten miteinander... Abends wurden noch 2 männliche Teilnehmer als Frauen verkleidet.

    Sonntag, 9.4.06 (9. Tag)

    Nach dem Mittagessen gingen wir Wattwandern.

    Montag, 10.4.06 (10.Tag)

    Bei der Arbeit hatten wir wieder gutes Wetter und viel Sonne. Wir hielten morgens eine Strandhafer-Zeremonie. Abends hatten wir dann noch ein Evaluationstreffen, bei dem jeder Teilnehmer seine Bewertung zu verschiedenen Themen (wie Stimmung, Arbeit, Essen, Unterkunft, Gruppenleiter, Gruppe, Verständigung zwischen Kulturen, Zufriedenheit insgesamt,…) in ein Diagramm zeichnen sollte. Insgesamt war die Gruppe mit allem relativ zufrieden. 

    Dienstag, 11.4.06 (11. Tag)

    Herr Lind kam vorbei und sagte uns, dass er soweit mit unserer Arbeit zufrieden sei und wir am Donnerstag nur 3 Stunden arbeiten müssten. Nach der Arbeit spielte die Gruppe teilweise das Apfel-und-Ei-Spiel, bei dem es darum geht einen Apfel und ein Ei bei fremden Leuten in der Stadt gegen etwas Wertvolleres zu tauschen. Einige spielten ein Detektivspiel, bei dem jemand unauffällig verfolgt werden muss.
    Als die Gruppe die Spiele spielte, bekamen wir telefonisch die Genehmigung ein Lagerfeuer zu machen. Wir kauften Bier und Wein und machten abends das Lagerfeuer trotz leichten Nieselregens. Trotzdem bekamen wir das Feuer gut in Gang. Ein anderer Tag wäre sicher besser gewesen, aber es ist nicht selbstverständlich, eine Genehmigung für ein Lagerfeuer zu bekommen. Also nutzten wir die Gelegenheit...

    Mittwoch, 12.4.06 (12. Tag)

    Weil es der vorletzte Tag war und wir in den letzten Tagen gut gearbeitet hatten, machten wir eine Stunde früher Feierabend. Nach der Arbeit gingen die meisten Minigolf spielen. Abends hatten wir ein Treffen bei dem noch Organisatorisches besprochen, das Secret-Friend-Spiel aufgelöst, ein Spiel („Tokio Rush Hour“) gespielt, die Ergebnisse des Apfel-und Ei-Detektivspiels präsentiert wurden. Das Interessante bei diesem Spiel war der Kontakt zu den „Inselbewohnern“. Wir stellten auch einen Postkasten für Abschiedsbriefe bereit. Außerdem hatte Gregor Geburtstag – das musste gefeiert werden.

    Donnerstag, 13.4.06 (13. Tag)

    Am letzten Arbeitstag bepflanzten wir noch ein letztes Feld, versetzten noch 2 Schilder mit Verboten die Dünen zu betreten, putzten unseren Bauwagen. Rachel reiste schon an diesem Tag ab und ein Großteil der Gruppe begleitete sie zum Hafen...
    Abends hatten wir eine Art Abschiedsparty: wir hörten Musik, spielten Tischtennis und schrieben Abschiedsbriefe für den Abschiedsbriefkasten. Trotz Partystimmung war ein wenig Abschieds-schmerz zu spüren.

    Freitag, 14.4.06 (14. Tag - Karfreitag)

    Heute ist Feiertag und so hatten wir auch ein Feiertagsprogramm. Nach dem Mittagessen gingen wir zum Hafen... Dort wartete ein Fischkutterfahrt auf uns. Wir konnten beim Krabbenfang dabei sein. Es war sehr lehrreich für uns zu sehen, wie dies funktioniert. Nach unserer Rückkehr in den Hafen haben wir uns die Krabben schmecken lassen...

    Samstag, 15.4. (Abreisetag)

    Die Teilnehmer reisten in 2 Gruppen ab. Die meisten nahmen schon morgens die erste Fähre, etwa um 10, die zweite Gruppe nahm die zweite Fähre mittags, etwa um 13 Uhr. Anne und ich begannen die Abrechnung zu machen und gingen noch mit Thomas und Kathleen durch die Unterkunft, sie hatten aber nichts zu beanstanden.

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