Mein Einsatz als weltwärts-Freiwilliger in Südafrika hält weiterhin/immer wieder ungeahnte Ereignisse bereit – sowohl interessante und schöne als auch bedauerliche und unnötige.
 
Leider ist vor zwei Wochen Ace, der Ehemann unserer Chefin Nikki, unerwartet gestorben, was uns Volunteers und alle anderen Pfadfinder sehr mitgenommen hat.
Dieser traurige Zwischenfall hielt mich auf der Arbeitsseite immer beschäftigt, da ich seitdem mit Hilfe von Elisabeth das operative Geschäft im Office alleine betreue. Auf der anderen Seite konnte ich durch diesen, auch persönlichen Verlust, meine erste Beerdigung in Südafrika miterleben.
 
Da Nikki als Weiße mit einem Schwarzen zusammen gelebt hat, was für Südafrika immer noch ungewöhnlich ist, wurde kulturell unterschiedlich an zwei verschiedenen Orten (im Township und in einer Kirche in Nelspruit) der Tod von Ace betrauert.
Nach der Freigabe des Leichnams wurde im Township am Freitag die ganze Nacht in einem großen, extra hierfür aufgestellten Zelt gesungen und gebetet. Neben der Familie kommen im Normalfall alle Freunde und Bekannte des Verstorbenen und nehmen an der Trauerfeier teil.
 
Am nächsten Morgen wurde der Sarg mit Leichnam schließlich von der Leichenhalle abgeholt und ins Township gefahren, wo sich traditionell alle Familienmitglieder sehr emotional und mit lautem Gefühlsausbrüchen ein letztes Mal von Ace „persönlich“ verabschieden konnten.
 
Danach wurde die Trauergemeinde von ungefähr 100 singenden und tanzenden Personen mit einem großen angemieteten Bus nach Nelspruit zur Kirche befördert. Während ich die engere Familie separat in unserem VW Bus fuhr, herrschte nach anfänglichen Weinen Vereinzelter für die halbstündige Fahrt Totenstille.
In Nelspruit wurde dann noch eine zweistündige Trauerfeier nach westlichem beziehungsweise christlichem Standart abgehalten.
 
Die Kontraste zwischen ausgelassenem, fröhlichem Feiern der Trauergemeinde und tiefer Trauer der Familienmitglieder waren für mich sehr ungewöhnlich.
 
 
Ein anderes Highlight allerdings der schönen Art, im April war der schon im letzten Bericht erwähnte vier Tage Trip nach Mosambik. Elisabeth, Moni und ich haben uns an einem Montag nach der Arbeit mit dem Polo auf den Weg zur Grenze und weiter nach Maputo aufgemacht.
In Mosambik werden erfahrungsgemäß die Straßenverhältnisse schlechter und die Polizisten sind berühmt berüchtigt für ihre Abzocke im Speziellen von Touristen. Von all dem ließen wir uns aber nicht abschrecken.
 
Schon auf der Hinfahrt wurde ich jedoch von den südafrikanischen Traffic-Cops wegen überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit und gleichzeitigem Überholen im absoluten Überholverbot vom Polizisten angehalten und mit den Worten „I like naughty boys!“ begrüßt.
 
Sein erstes „Angebot“ war eine Strafe von 750 Rand, welche ich in Malelan (nächste größer Stadt) begleichen sollte. Auf seine unverzügliche Frage, wie viel ich denn bereit wäre zu bezahlen, klingelten bei mir schon alle Korruption-Alarmglocken.
Ich gab vor kein Bargeld bei mir zu tragen, weil Bestechung für mich nur als allerletztes Mittel in Frage kam. Auf meine Anfrage, ob ich die Strafe mit meiner nicht verfügbaren Kreditkarte in Malelan begleichen könne, wurde der Polizist schon etwas unruhig.
Während der „Verhandlung“ habe ich mich immer wieder entschuldigt und mit trauriger Stimme von meiner „guten“ Arbeit als Volunteer bei den Scouts in Mpumalanga erzählt.
Nach fünf Minuten entschloss sich der entnervte Polizist mich dann doch ohne jegliche Strafe weiterfahren zu lassen und es bei einer mündlichen Verwarnung („Do not speed again!) zu belassen. – Nochmal Glück gehabt!
 
Jedoch hat uns das Glück in Maputo verlassen. Bei einer der „Routinekontrollen“ in Maputo wurden wir von einem Polizisten angehalten. Da wir uns zu diesem Zeitpunkt schon wieder auf dem Heimweg befanden hatten wir tatsächlich nicht viel Geld dabei.
Nachdem er meinen Reisepass und Führerschein für in Ordnung hielt, suchte er nach irgendeinem anderen Verstoß gegen die mosambikanische Verkehrsordnung. Weil es an diesem Tag mal wieder besonders heiß war, fuhr ich ohne meine Flip-Flops. Das war natürlich ein gefundenes Fressen für ihn. Er ließ uns wissen, dass in diesem Fall ein Bußgeld von 1000 Medicas fällig ist. Jetzt ging das Gefeilsche los!
Mit Hilfe einer guten Verhandlungstechnik von Elisabeth konnten wir letztlich die Zahlung auf 350 Medicas (~ 10 Euro) drücken und ohne Ticket weiterfahren. – Pech gehabt!
 
Außer meinem ereignisreichen und insgesamt schönen Kurzurlaub in Mosambik Anfang April konnte ich diesen Monat bedingt durch viel Arbeit (jedes Wochenende fand ein Soccer-Workshop statt!) nur wenige Tagesausflüge (Game-Drive, Besuch von Freunden in den Townships, etc.) machen.
 
Letzte Woche hat uns Monika verlassen und macht derzeit eine Rundreise mit ihrem Freund im südlichen Afrika. Somit bleiben bis Juni nur noch Elisabeth und ich zur Unterstützung aller Projekte der Pfadfinder in Mpumalanga. – Es bleibt spannend!
 
Es grüßt euch Alle recht herzlich aus der Ferne
 
Euer Michael
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