Bericht Auslandssemster in Vietnam
„Vietnam – das ist ein Land und kein Krieg.“
Ich habe im WS 2005/2006 für ein Semester Entwicklungsstudien in Vietnam studiert. Das Semester ist in Zusammenarbeit einer norwegischen Hochschule und eines norwegischen Zusammenschlusses von Sozialwissenschaftlern organisiert und interdisziplinär ausgerichtet. Ich kann es Jedem wärmstens empfehlen, der sich für Entwicklungsstudien interessiert. „Vor Ort“ bekommt man eine ganz andere Perspektive und wird mit den Problemen von Entwicklung konfrontiert - man bekommt die Chance alle Seiten zu sehen. Mir hat es sehr weitergeholfen bei meiner Berufsfindung und es war sehr motivierend. Man bekommt Unterricht von Dozenten aus der ganzen Welt und hat bei einer qualitativen Studie die Möglichkeit, Gelerntes auf Vietnam anzuwenden.
Allgemeine Infos (Fach, Ort,Voraussetzungen, Organisation, Dauer, Infos, Visum)
Akademisches (Selbststudienphase, Vorlesungen und Lecturer, Prüfungen und Anerkennungen,Studieneinrichtungen)
Organisatorisches (Betreuung vorher, Betreuung vor Ort)
Praktisches vor Ort (Über die Stadt, Über die Unterkunft, Über die Verpflegung, Die anderen StudentInnen, Bei Krankheiten, Weitere Beschäftigungen, Ausflugsmöglichkeiten / Reisen während des Semesters, Klima, Kulturschock)
Finanzielles (Kosten, Weitere Kosten, Auslandsbafög, Weitere Förderungsmöglichkeiten)
Fazit
Allgemeine Infos
Fach: Entwicklungsstudien (Development Studies, internat. anerkanntes Semester mit 30 ECTS)
Ort: Hoi An, Vietnam
Voraussetzungen: Hochschulzugangsberechtigung
Organisation: Oslo University College (ist so was wie die Fachhochschule in Oslo) und Kulturstudier (das ist ein Zusammenschluss norwegischer Sozialwissenschaftler, die von der Universität in Oslo kommen). Die DozentInnen kommen von Universitäten aus der ganzen Welt, z.B. Norwegen, England, Bangladesh.
Dauer: 4 Wochen Selbststudienphase zur Vorbereitung, 10 Wochen vor Ort
Infos: über Kulturstudier und über das Programm auf der Seite des Oslo University College
Visum: genaue Anweisungen wie man das beantragt sowie Formulare bekommt ihr durch Kulturstudier, es wird in Dänemark beantragt und ist ganz schnell und unkompliziert
Akademisches
Selbststudienphase: man schreibt vorab eine kleine Hausarbeit über wichtige Konzepte und Theorien in den Entwicklungsstudien, z.B. Globalisierung, Kultur, Entwicklung. Der Sinn ist, einen Einstieg ins Thema zu bekommen. Hier sollte man unbedingt die Chance nutzen, so viel wie möglich zu lesen – die Zeit, die man so spart, kann man in Hoi An am Strand verbringen! Während dieser Phase hat man einen Ansprechpartner, welcher einem per E-Mail Fragen beantwortet. Einen genauen Studienratgeber inkl. Zitierregeln etc. bekommt man auch. In Hoi An bekommt man ein Feedback zu der Hausarbeit.
Vorlesungen und Lecturer: Details zu den Dozenten findet man auf dieser Internetseite, zum Kurs hier. Man hat fünf Tage in der Woche Vorlesungen, meist einen halben Tag, wenn Seminare sind außerdem nachmittags.
Die Dozenten kommen aus der ganzen Welt und von unterschiedlichen Fachbereichen. Sie reisen jeweils für ca. eine Woche an und man hat in dieser Zeit ausschließlich bei ihnen Vorlesungen zu einem Themenbereich. Dadurch bekommt man intensive Einblicke und Sichtweisen verschiedenster Aspekte der Entwicklungsstudien: ein Professor doziert über den wirtschaftlichen Bereich, der nächste ist Experte für multilaterale Institutionen, eine Ethnologin referiert zum Thema Gender und Entwicklung, ein anderer Dozent diskutierte mit uns über Armutsbekämpfung, ein Weiterer informiert speziell über Südostasien, Entwicklungsprozesse und –politik werden gelehrt, Themen wie Menschrechte, Gesundheit, Migration usw. behandelt (siehe Kursplan).
Anfangs hat Nir Avieli, ein isralischer Anthropologe, der in Singapur unterrichtet, seine Doktorarbeit in Hoi An geschrieben hat und fließend vietnamesisch spricht, unsere Begeisterung für Hoi An geweckt. Er hat uns die Stadt gezeigt, Sitten, Essen, Aufbau der Stadt und des Umlandes, Geschichte Vietnams und Hoi Ans erläutert, was einen sehr guten Einstieg bot und uns das Einleben in vietnamesische Sitten und Verhaltensweisen sehr erleichtert hat.
Ein weiterer Dozent ist durchgehend vor Ort und hält Seminare, in denen auch Referate gehalten werden. Dadurch, dass die DozentInnen im selben Hotel untergebracht sind (Ha An) ergeben sich auch viele private Gespräche und man bekommt dadurch einen guten Überblick über internationale, akademische Laufbahnen, kann Entwicklungsthemen weiterdiskutieren usw. Das ist natürlich etwas ganz anderes als mit 300 Studenten in einem Hörsaal zu sitzen…
Wir mussten ziemlich viel lesen wovon ich vor Ort leider eher wenig gelesen habe, aber trotzdem haben mich die Vorlesungen wirklich nachhaltig zum Denken angeregt und hatten einen riesigen Lerneffekt.
Prüfungen und Anerkennungen: man bekommt zwei Noten: die erste für eine Gruppenarbeit (40% der Endnote, 4 Personen pro Gruppe) und die zweite für eine Einzelhausarbeit nach dem Semester (60% der Endnote). Insgesamt bekommt man 30 Credit Points.
Bei der Gruppenarbeit haben alle Gruppen (bis auf eine) eine qualitative Studie mit Interviews gemacht – dabei haben wir unglaublich viel gelernt. Teamwork in einem anderen Land mit Interviews inkl. Sprachproblemen ist wirklich eine tolle – wenn auch anstrengende - Erfahrung. Man wird dabei sehr gut betreut und lernt so richtig Hausarbeiten zu schreiben sowie gemeinsam wissenschaftlich zu arbeiten – zwei Dinge, die ich in meinem bisherigen Studium etwas vernachlässigt fand.
Die letzte Hausarbeit nach dem Semester habe ich und einige meiner KommilitonInnen in Saigon auf einem Hotelbett mit dem Laptop auf dem Schoß geschrieben – sehr erfolgreich war das nicht aber auch so was muss man wohl lernen. Wenn man nach dem Semester nach Hause fährt schreibt man die Hausarbeit dort, wenn man reist muss man vor Ort schreiben, da man nur 4 Wochen Zeit dafür hat.
Anerkennungen sollte man vorher mit dem zuständigen Betreuer an der Heimatuni besprechen, man bekommt zwei Noten, davon konnte ich mir problemlos eine als spezielle Soziologie anerkennen lassen. Man kann das Thema der Gruppenarbeit teilweise lenken.
Studieneinrichtungen: Morgens sind wir mit unseren Fahrrädern zum Studienzentrum geradelt, das ist knappe vier Kilometer von den Hotels entfernt, vorbei an Reisefeldern, Wasserbüffeln usw. – der schönste „Schul“weg der Welt. Es fährt auch ein kostenloser Shuttlebus jeden Tag.
Im Studienzentrum sind der Vorlesungsraum, ein Raum in dem wir das Mittagsbuffet gegessen haben und eine Hütte, in der man lernen kann sowie ein paar Hängematten für die Pausen. Es ist direkt an einem Fluss gelegen und wenn man diesen überquert ist man am Strand.
Es besteht jeden Tag Anwesenheitspflicht während des Unterrichts, die auch jeder immer wahrgenommen hat, außer in der Gruppenarbeitsphase, wo manche teilweise Interviewtermine hatten.
Ein kleiner Raum in der Nähe der Hotels dient als Bibliothek, dort kann man auch in Ruhe lernen. Meistens habe ich jedoch im Hotel gelernt, wo wir draußen viele Tische mit Lampen hatten oder im Zimmer.
Organisatorisches
Betreuung vorher: Man bekommt von Kulturstudier sehr viele Informationen über alles was man wissen muss. Auch über die vietnamesische Etikette wird man ausführlich aufgeklärt.
Alle Fragen, die man sonst noch hat werden schnell und gründlich per E-Mail oder telefonisch beantwortet.
Es gibt vor jedem Semester im Internet ein Forum für die StudentInnen, in dem man auch Reisepartner finden kann, wenn man vorher z.B. durch Laos reisen will o.ä.
Betreuung vor Ort: Vor Ort ist ein akademischer Betreuer, welcher die Seminare abhält und am Ende die Betreuung der Gruppenarbeit übernimmt.
Außerdem ist eine Betreuerin für alles Weitere zuständig und hilft einem von Reiseplanung für die Wochenenden, über die Organisation von Ausflügen, Fußballturnieren o.ä. bis zu Tipps wo man welche Medizin bekommt (und welche man braucht), wie man sein Visum verlängert, vermittelt, wenn es Probleme zwischen ZimmergenossInnen gibt etc.pp.
Außerdem ist noch ein weiterer Betreuer dort, welcher einem bei Organisatorischem hilft sowie als Übersetzer in der Feldphase eingesetzt werden kann.
Praktisches vor Ort
Über die Stadt: Hoi An ist mit Abstand die schönste Stadt Vietnams! Hoi An bedeutet ‚friedliches Zusammentreffen’, was auf eine Geschichte als internationale Hafenstadt zurückgeht. Es ist ein kleines Städtchen an der Küste Zentralvietnams.
Seit 1999 ist die Altstadt Hoi Ans UNESCO Weltkulturerbe und ist wunderschön. Die Stadt ist malerisch an einem Fluss gelegen, das Meer mit weißem Sandstrand sind 4 km von der Unterkunft der Studenten entfernt.
Hoi An ist bei Touristen auch wegen der riesigen Anzahl von Schneiderläden beliebt. Man kann alle Dinge des täglichen Bedarfs vor Ort kaufen. Um Exportprodukte in einer größeren Auswahl (z.B. Müsli, Schokolade, bestimmte Kosmetik- oder Hygieneprodukte o.ä.) zu finden, muss man allerdings nach Da Nang fahren oder sie in ausreichender Menge mitbringen.
Da Nang ist die nächste größere Stadt (ca. 1,2 Mio. Einwohner), dort gibt es auch eine Universität. In einer guten halben Stunde fährt man von Hoi An nach Da Nang, Taxis sind günstig. Es gibt viele Restaurants, einige sehr nette Kneipen (u.a. mit Poolbillard), einige kleine Clubs usw. – jeden Abend besteht die Möglichkeit auszugehen.
Über die Unterkunft: die StudentInnen werden in Zwei- oder Dreibettzimmern in zwei verschiedenen Hotels untergebracht. Das klingt im ersten Moment anstrengend, war es aber bei den wenigsten. Meistens hält man sich sowieso nur zum Schlafen im Zimmer auf und die meisten StudentInnen haben sich sehr gut verstanden.
Leider ist der Standard der Hotels recht unterschiedlich: das eine Hotel (Ha An) ist sehr komfortabel mit einem sehr reichlichem Frühstücksbuffet und viel Platz im Garten etc. Das andere (Dong Khanh) hat ein weniger gutes Frühstück, dafür aber einen Swimming Pool und eine Dachterrasse. Nur im Vergleich mit dem anderen Hotel schneidet es schlecht ab, es ist aber ansonsten auch OK. Beide Hotels haben Internetanschluss, Dong Khanh sogar WLAN seit letztem Semester. Man kann im Ha An Hotel seinen Laptop ans Internet anschließen und eine Gebühr für das ganze Semester bezahlen, hat also quasi eine Flatrate.
Man sollte unbedingt einen Laptop mitbringen, wenn möglich. Versichern kann man ihn bei Jamba, wenn er jünger als ein halbes Jahr ist oder bei Worldnomads. Alle Laptops haben die Reise überlebt, meiner sogar, dass ich ihn per Paket-Dienst nach dem Semester nach Hause geschickt habe. Man kann vorab angeben in welchem Hotel man wohnen möchte und ich würde Ha An auf alle Fälle empfehlen. Manchmal kommt man dennoch in das andere Hotel.
Über die Verpflegung: In den Hotels bekommen die Studenten jeden Tag Frühstück, in der Woche gibt es zusätzlich ein Mittagsbuffet im Studienzentrum, abends isst man außerhalb oder kauft sich ein Sandwich o.ä. In den Hotelzimmern sind Kühlschränke, Kochen ist jedoch nicht möglich.
Ich bin Vegetarierin und fand das Essen ausgezeichnet, es gibt immer überall viele vegetarische Alternativen.
Kulturstudier fragt bei der Anmeldung auch nach Allergien, die Studenten hatten über Zucker, Mehl, Milch, Erdnüsse usw. alle möglichen Allergien und haben sich trotzdem gut ernähren können. Wenn man außerhalb isst kann es manchmal etwas Probleme damit geben, den Menschen zu vermitteln, dass man ganz wirklich keine Erdnüsse essen darf – aber mit Geduld und Lächeln klappt das schon.
Die anderen StudentInnen: es bekommen meist zwei vietnamesische StudentInnen aus Da Nang ein Stipendium.
Die anderen StudentInnen sollen aus aller Welt sein, bis jetzt sind aber eigentlich nur Norweger, Schweden und Dänen dabei. Alle haben sofort mit mir Englisch gesprochen, viele sprechen sogar ein wenig Schuldeutsch. Es passiert nie, dass alle zusammen auf Norwegisch reden, wenn jemand dabei ist, der sie nicht versteht.
Viele der Studenten sind auch aus internationalen Familien bzw. im Ausland aufgewachsen. Meine KommilitonInnen in Vietnam kamen aus allen möglichen Bereichen, es waren beispielsweise StudentInnen der Politikwissenschaft, Anthropologie, Psychologie, Soziologie, BWL, Geschichte usw. und auch eine Krankenschwester, AbiturientInnen, eine Ingenieurin, Entwicklungshelfer usw.
Die Atmosphäre war sehr nett und freundlich und trotz der unterschiedlichen Ausgangsniveaus fiel dies im Unterricht nicht stark ins Gewicht, dadurch dass sich alle gegenseitig geholfen haben. Es ist also offen für alle Menschen, die sich für die Thematik interessieren und eine Hochschulberechtigung haben (Abitur, bereits studieren o.ä.). Ich zum Beispiel bin während des fünften Semesters meines Soziologie Bachelorstudiums dorthin gefahren.
Bei Krankheiten: es gibt ein sehr gutes internationales Krankenhaus in Hoi An. Es ist neu und technisch sehr gut ausgestattet, es ist immer jemand dort, der Englisch spricht. In Da Nang gibt es weitere Krankenhäuser.
Malaria gibt es nicht in der Gegend, Empfehlungen zu Impfungen vor der Reise gibt der Hausarzt, Tropeninstitute (z.B. Bernhard Nocht Institut Hamburg) und das Auswärtige Amt. Magen-Darm-Verstimmungen sind in der ersten Zeit normal, am besten nimmt man keine Medikamente, nur Elektrolyte. Auch Amöben- oder Parasitenbefall treten auf, können aber vom Krankenhaus vor Ort problemlos behandelt werden.
Die jeweiligen MitbewohnerInnen sind dafür zuständig, dass im Falle einer Krankheit jemand entschuldigt wird, alles bekommt was er/sie braucht und sie evtl. zum Krankenhaus begleitet. Die Field Managerin vor Ort kümmert sich auch um einen – man ist also bestens versorgt.
Weitere Beschäftigungen: Mit ein wenig Eigeninitiative oder von der Field Managerin organisiert kann man einiges machen: z.B. einen Vietnamesisch-Sprachkurs, im Kinderheim in Hoi An helfen oder anderes.
Ansonsten kann man sich die Nachmittage oder Wochenenden mit Fahrradtouren, an den Strand gehen und schwimmen, Beachvolleyball spielen, Fußball spielen (Vietnamesen sind vollkommen Fußball-verrückt), Kochkurse machen, Joggen und anderem vertreiben. Langeweile kommt definitiv nie auf – man fragt sich eher wann man jemals die ganze Literatur für das Studium lesen soll!
Ausflugsmöglichkeiten / Reisen während des Semesters: Einige Ausflüge werden für die gesamte Gruppe organisiert, z.B. in die Universität Da Nang und zu den Marmorbergen von Da Nang, in eine Freihandelszone o.ä., an verlängerten Wochenende fährt man oft in kleineren Grüppchen weg, z.B. in die alte Königsstadt Hue.
Im Semester hat man eine Woche Urlaub, in der die meisten von uns nach Hanoi oder Saigon gefahren sind.
Nach dem Semester sind einige noch durch Vietnam gereist – ich kann es nur empfehlen: es ist ein wunderschönes Land und sehr einfach, sicher und günstig zu bereisen.
Klima: Das Wetter ist, je nachdem ob es das Frühlings- oder Herbstsemester ist, unterschiedlich.
Ich war im Herbstsemester dort, nach einigen Wochen Sonnenschein erreichte uns dann die Regenzeit mit Taifunen, tagelangem Stromausfall und einer Menge Regen auf einmal. Wir fanden es alle ganz spannend in Hoi An statt mit dem Fahrrad auch mal mit dem Boot durch die Straßen zu fahren und hatten auch Glück, weil die Regenzeit sehr spät anfing und es die meiste Zeit sonnig war. Wer wasserscheu ist und Angst vor Gewittern hat sollte vielleicht im Frühling dort hinfahren.
Ansonsten ist es meistens heiß und schwül, man gewöhnt sich aber schnell daran. Die Zimmer haben außerdem Klimaanlagen. Der Unterrichtsraum ist an den Seiten offen und hat Ventilatoren, weshalb das Klima angenehm ist, allerdings leidet die Akustik leider etwas.
Kulturschock: der hielt sich in Grenzen. Durch die gute Vorbereitung und die „Betreuung“ vor Ort ist man gut informiert und tritt so in wenig Fettnäpfchen. Die Menschen aus Hoi An begegnen den StudentInnen sehr freundlich und offen. Wenn man sich um Kontakt bemüht wird man häufig eingeladen. Viele StudentInnen konzentrieren sich jedoch ganz auf die anderen Studenten – es hängt ganz von einem selber ab wie weit man ins Leben in Hoi An eintaucht.
Finanzielles
Kosten: 3900 Euro Studiengebühren, das enthält auch die Unterkunft mit Frühstück und Mittag in der Woche. Einen Flug kann man für ca. 800 Euro bekommen. Man kann auch nach Bangkok fliegen und von dort für 30 Euro nach Hanoi fliegen.
OK, 3900 Euro sind wirklich teuer. Aber ich finde, es ist das Geld wert. Man hat wenig Organisatorisches selber zu erledigen und ich habe es geschafft mir das Semester mit Hilfe des Bafögs selber zu finanzieren und dadurch kein Semester verloren.
Im Lebenslauf macht es sich sicher auch nicht schlecht…
Weitere Kosten: Abendessen, Unternehmungen, Reisen, Flüge, Ausgehen, Impfungen etc.. Vietnam ist für uns extrem günstig, zum Beispiel kostet eine Übernachtung oft um die 2 Euro, ein Fahrrad kostet ca. 20 Euro, ein Flug nach Hanoi von Hoi An so um die 50 Euro. Aber natürlich kommen beim Reisen doch immer ziemliche Kosten zusammen…
Auslandsbafög: kann man beantragen beim Bafög-Amt für Norwegen (weil man in Oslo eingeschrieben ist), das ist in Schleswig-Holstein.
Man bekommt mehr Bafög als zu Hause und auch Leute, die zu Hause normalerweise kein Bafög bekommen haben eine Chance Auslandsbafög zu erhalten. Auch die Studiengebühren können übernommen werden.
Weitere Förderungsmöglichkeiten: Der DAAD vergibt Stipendien für Auslandssemester, allerdings muss man sich da rechtzeitig bewerben.
Fazit
Wir haben so viel unternommen – es könnte vielleicht der Eindruck entstehen, das Semester wäre zum Feiern und Sonnen gewesen. Wie man dieses Semester nutzt, liegt natürlich wie immer bei jedem selber. Aber die Möglichkeit so interessante Vorlesungen zu besuchen und in einem so spannenden Umfeld zu lernen ist auf alle Fälle toll. Auch in der Freizeit, wie zum Beispiel Karaoke singen mit vietnamesischen Freunden, lernt man sehr viel über Entwicklung und die Meinung der Menschen vor Ort.
Hoi An ist eine Stadt, welche seit 1999 eine rapide Modernisierung durchläuft und alle Menschen die dort leben erleben dies und empfinden es unterschiedlich. Ihre Meinungen zu hören, hilft einem sehr Aspekte zu sehen und verstehen, welche man in der Theorie so nicht erkennen würde und befruchtet unseren westlichen Blick mit der vietnamesischen Sichtweise. Man bekommt einen viel differenzierteren Blick, beginnt scheinbar Selbstverständliches zu hinterfragen und sieht viele Konflikte, Widersprüche und Probleme von Entwicklung und Globalisierung „live“. Und die dadurch entstehenden Verwirrungen und Gedanken kann man dabei immer mit anderen, wie z.B. den DozentInnen und den MitstudentInnen diskutieren.
Das Semester ist tatsächlich recht „dicht“ – all die neuen Eindrücke und besonderen Bedingungen erschweren natürlich das Lernen, ständig könnte man etwas anderes unternehmen. Aber man lernt halt auch viel außerhalb des Unterrichts, was dann nach dem Semester erstmal eine Zeit lang „sacken muss“.
Mein wichtigster Tipp vorab: lest so viel des Curriculums wie möglich vorher zu Hause, dann habt ihr mehr vom ganzen Semester und könnt in den Vorlesungen besser folgen!
Wenn jemand sich für dies Programm interessiert, können wir uns gerne mal treffen. Dorothe Raht, d.raht(at)gmx.de.
Oder schaut mal bei http://www.kulturstudier.com/. Sie bieten übrigens auch ein englischsprachiges Auslandssemester in Indien zu „Peace und Conflict Studies“. Hier bekommt ihr Informationen über die kulturstudier-Programme auch auf Deutsch.
















