Berufliche Aus- und Weiterbildung im Ausland

Ein paar Worte vorweg: Eurodesk gibt gesonderte Infos zu Jobben und Arbeiten und Praktika im Ausland heraus. Dieser Text bezieht sich lediglich auf die berufliche Aus- und Weiterbildung im Ausland.

    Berufsausbildung im Ausland

    Ihr könnt entweder eure gesamte oder nur Teile eurer Berufsausbildung im Ausland absolvieren. So darf nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) vom 1. April 2005 bis zu einem Viertel der regulären Ausbildungszeit in einem anderen Land absolviert werden. Voraussetzung: der Auslandsaufenthalt muss dem Ausbildungsziel dienen, d.h. die im Ausland vermittelten Ausbildungsinhalte müssen im Wesentlichen den im Inland vermittelten Ausbildungsinhalten entsprechen oder es müssen zusätzliche Kompetenzen erworben werden. Der Auslandsaufenthalt wird als Bestandteil der Ausbildung anerkannt und unterbricht das Ausbildungsverhältnis nicht. Daher muss auch die Ausbildungsvergütung weiter gezahlt werden. Darüber hinaus läuft die Sozialversicherungen weiter.

    Wenn ihr eure gesamte Ausbildung im Ausland machen wollt, solltet ihr nicht nur die Sprache des Gastlandes sehr gut beherrschen, sondern auch bedenken, dass es das so genannte duale System der Berufsausbildung, wie wir es in Deutschland vorrangig haben, in anderen Ländern nicht unbedingt gibt. In Frankreich werden Lehrlinge beispielsweise zumeist außerbetrieblich ausgebildet, d.h. sie werden in einem Berufsschulzentrum, welches die Funktion eines Ausbildungsbetriebs übernimmt, ausgebildet. Bei der außerbetrieblichen Berufsausbildung schnuppern die Lehrlinge nur während einzelner Praktikumsphasen mal ins „richtige“ Berufsleben rein. Außerdem bekommen sie auch keine Ausbildungsvergütung. Bevor ihr euch also entscheidet, eure Berufsausbildung im Ausland zu machen, solltet ihr euch genauestens informieren, wie die Ausbildung im Ausland abläuft und ob sie in Deutschland anerkannt wird. 

    Hierbei können euch folgende Links weiterhelfen:

    Für die Anerkennung ausländischer Berufsbildungsabschlüsse in Deutschland wendet euch an die Industrie- und Handelskammer (IHK) bzw. die Handwerkskammer (HWK) in eurer Nähe.

    Ausbildungsmöglichkeiten im Ausland

    Ausbildungsmöglichkeiten bei den Außenhandelskammern
    Eine Ausnahme zum oben Gesagten bildet das deutsche Berufsausbildungszentrum ASET in Madrid und Barcelona. Diese beiden Zentren bilden ihren Auszubildenden nach dem dualen System in deutschen und multinationalen Unternehmen aus. Schüler/-innen mit mittlerer Reife können ein Jahr lang wirtschaftliche Kenntnisse erlernen und Praktika in Partnerunternehmen absolvieren. Abiturienten beginnen sofort mit der Ausbildung, die zwei Jahre dauert. Die Zentren bieten auch einen betriebswirtschaftlichen Studiengang an, der ausbildungsbegleitend, berufsbegleitend oder als Präsenzstudium durchführbar ist. Weitere Infos unter: www.aset.es (Madrid) www.asetforum.com (Barcelona)

    DUAL - ein Programm zur beruflichen Qualifizierung  
    Die Deutsch-Portugiesische Industrie- und Handelskammer ermöglicht zweieinhalbjährige Ausbildungen zum Hotelfachmann/-frau , Koch/Köchin und Restaurantfachmann/frau in Sterne- Hotels und Restaurants der gehobenen Gastronomie. Vor Beginn der in Deutschland voll anerkannten Ausbildung erhalten alle Teilnehmer/-innen, die noch kein Portugiesisch sprechen, einen Intensivkurs Portugiesisch, der während der Berufsschule fortgesetzt wird. Weitere Infos findet ihr unter www.dual.pt

    Handwerksausbildung in Frankreich - Compagnon du Devoir
    Die Compagnons du Devoir, eine gemeinnützige französische Handwerker-Vereinigung, bieten auch deutschen Schulabgängern (16 bis 19 Jahre mit guten Französischkenntnissen) die Möglichkeit, in Frankreich eine anerkannte Handwerksausbildung in folgenden Berufen zu absolvieren: Zimmerer, Dachdecker, Stuckateur, Heizungsbauer, Sanitärinstallateur, Maurer, Anlagenbauer, Schlosser, Schuhmacher, Raumausstatter, Autosattler, Bäcker und Konditor. Vor Ausbildungsbeginn macht ihr in Frankreich ein Praktikum und einen vierwöchigen Sprachkurs. Die Dauer der Ausbildung beträgt je nach Beruf zwei bis drei Jahre. Die Abschlüsse sind in beiden Ländern anerkannt und werden sowohl im Betrieb als auch im Ausbildungszentrum abgeleistet. Auskünfte erteilt die "Association ourvrière des Compagnons du Devoir Deutschland e.V." unter Tel.: 030 81828605. Weitere Infos auf Französisch findet ihr unter: www.compagnons-du-devoir.com.

    Ausbildung bei AIDA Cruises
    Die Reederei AIDA Cruises bietet die Ausbildung zum Mechatroniker für den Schiffsbetrieb an. In 3,5 Jahren an Land und auf den Schiffen werdet ihr in Instandhaltung und Wartung von elektrischen und mechanischen Anlagen ausgebildet. An Bord lernt ihr eine vielfältige und internationale Arbeitswelt kennen. Um eine Ausbildungsplatz bei AIDA zu bekommen, braucht ihr einen sehr guten Realschulabschluss oder Abitur und gute Englischkenntnisse.
    Weitere Infos findet ihr unter www.aida-jobs.de .

    Mobilitätsberatung
    Seit April 2009 läuft deutschlandweit das Projekt der Mobilitätsberatung initiiert vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). Vor Ort bieten Mobilitätsberater Auszubildenden, jungen Fachkräften und Unternehmen professionelle Unterstützung zu den Themen berufliche Mobilität und Praktika im Ausland. Die Beratung umfasst unter anderem Hilfen bei der Organisation, der Suche nach internationalen Kooperationspartnern und geeigneten Förderprogrammen. Für nähere Informationen und eine individuelle Beratung könnt Ihr den jeweiligen Mobilitätsberater Eurer Region kontaktieren.

    Die Industrie- und Handelskammer Aachen informiert unter www.ausbildunginternational.de über ihre internationalen Angebote in der Berufsausbildung. Unter anderem wird eine deutsch-französische kaufmännische Ausbildung in Paris oder ein Intensivseminar für Auszubildende und Berufsanfänger/-innen in kaufmännischen Berufen in London angeboten.

    Teile der Berufsausbildung im europäischen Ausland

    Leonardo da Vinci
    LEONARDO DA VINCI ist das Programm der Europäischen Únion für berufliche Bildung. Im Rahmen deiner Ausbildung hast du über das LEONARDO DA VINCI-Programm die Möglichkeit einen Teil deiner Berufsausbildung im Ausland zu absolvieren. Alle Infos dazu findest du hier.

    Datenbank Ausbildung Plus
    Die Datenbank des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) bietet u.a. einen Überblick über Ausbildungsangebote mit Zusatzqualifikationen. Geht auf www.ausbildung-plus.de > Ausbildungsangebote suchen > Suche nach Ausbildungsangeboten mit Zusatzqualifikation. Im nächsten Fenster wählt ihr euer Berufsbild und im Feld „Inhalt der Zusatzqualifikation" dann den Punkt „Austauschprogramm" oder "Austauschprojekt". Ihr erhaltet eine Liste von internationalen Ausbildungsprojekten.

    "let's go"
    Die Initiative "let's go" informiert sowohl Auszubildende als auch Betriebsinhaber und Betriebsinhaberinnen über Auslandsaufenthalte während der handwerklichen Aus- und Weiterbildung.
    www.letsgo-handwerk.de (Infodienst für Betriebe)                                        
    www.letsgoazubi.de (Community für weltoffene Azubis)

    Unter http://www.mobilitaetscoach.de/mobilitaetsberaterprojekt/film.html findet ihr einen kurzen Film über die Erfahrungen vnon Sandro, der einen Teil seine Bäckerausbildung in Italien absolviert hat.

    Europass: www.europass-info.de
    Wer vor hat, einige Zeit während seiner Ausbildung (Schule, Studium, Praktikum, Beruf) im Ausland zu verbringen, sollte sich seine Erfahrungen und Qualifikationen im "Europass Mobilität" dokumentieren lassen. Eure neuen Sprachkenntnisse könnt ihr in den "Europass Sprachenpass" eintragen. 
    Was es mit den verschiedenen Europass-Dokumenten genau auf sich hat und wie das Ganze funktioniert, erfahrt ihr in unserem Europass-Special.

    Finanzierung

    Wenn ihr einen Teil eurer Berufsausbildung im Ausland machen wollt, könnt ihr versuchen, dafür ein Leonardo da Vinci- Stipendium zu bekommen. Leonardo da Vinci ist Teil des EU- Bildungsprogramms "Lebenslanges Lernen". Es fördert Ausbildungsabschnitte von Auszubildenden im europäischen Ausland, in den EFTA- Staaten (Island, Norwegen, Liechtenstein) und in der Türkei. Konkret sieht das so aus: ihr arbeitet entweder in einem ausländischen Unternehmen eurer Branche mit und/oder besucht eine Ausbildungsstätte im Ausland. Natürlich wird das, was ihr im Ausland lernen sollt, vorher zwischen eurer Berufsschule bzw. eurem Ausbildungsbetrieb und der aufnehmenden Einrichtung im Ausland abgesprochen. Darum müsst ihr euch nicht kümmern. Zumeist werden euch auch eine Unterkunft und ein Sprachkurs organisiert oder ihr werdet bei der Suche unterstützt. Ihr werdet auf den Auslandsaufenthalt vorbereitet und im Ausland durch einen Tutor betreut. Zu den Kosten: das Leonardo da Vinci- Stipendium ist recht hoch, d.h. normalerweise müsst ihr nur noch einen geringen Beitrag für euren Auslandsaufenthalt bezahlen. Leonardo da Vinci fördert Auslandsaufenthalte für junge Leute in der beruflichen Erstausbildung zwischen 3 Wochen und 39 Wochen. Es gibt keine Altersbegrenzung. Euer erster Wohnsitz muss in Deutschland sein, eure Staatsangehörigkeit spielt keine Rolle. Leider können nur Einrichtungen im Bereich der Berufsbildung (Ausbildungsbetriebe, Berufsschulen, Kammern) Leonardo da Vinci- Stipendien beantragen. Ihr solltet also euren Ausbildungsbetrieb oder eure Berufsschule auf das Programm aufmerksam machen. Wenn euer Ausbildungsbetrieb oder eure Berufsschule jedoch selber keine Leonardo da Vinci- Stipendien beantragt, könnt ihr euch auch durch eine "fremde" Einrichtung entsenden lassen, und zwar im Rahmen der so genannten "Poolprojekte". Das sind bundesweit offen ausgeschriebene Leonardo da Vinci- Stipendien. Weitere Infos zu "Poolprojekten" sowie eine Datenbank mit derzeit verfügbaren Stipendien findet ihr unter www.na-bibb.de/leonardo_da_vinci/mobilitaet/navigator_landing_pages/pool_projekte_ivt.html. Der Infodesk der Nationalagentur "Bildung für Europa", die für die Umsetzung des Leonardo da Vinci- Programms in Deutschland zuständig ist, steht euch für Fragen unter Tel.: 0228 1071608 zur Verfügung.

    Berufliche Weiterbildung im Ausland

    Beratungsstelle für berufliche Weiterbildung im Ausland
    Wer sich für eine berufliche Weiterbildung im Ausland interessiert, sollte sich an die Informations- und Beratungsstelle (IBS) unter Tel.: 0228 44601123 wenden oder die Website besuchen. Die IBS informiert über Programme von rund 70 Organisationen.

    Die deutschen Außenhandelskammern haben an ihren Standorten im Ausland verschiedene Angebote zur beruflichen Weiterbildung. Mehr Infos gibt es hier. Hinweis: Nicht alle Programme sind für Bewerber/-innen aus Deutschland geöffnet.

    Berufsbezogene Weiterbildung oder Praxisaufenthalte im europäischen Ausland
    Auch für eine berufsbezogene Weiterbildung oder einen Praxisaufenthalt im Ausland könnt ihr versuchen ein Leonardo da Vinci- Stipendium zu bekommen. Weitere Infos zu "Poolprojekten" sowie eine Datenbank von derzeit verfügbaren Stipendien findet ihr unter www.na-bibb.de/leonardo_da_vinci/mobilitaet/navigator_landing_pages/pool_projekte_ivt.html. Der Infodesk der Nationalagentur "Bildung für Europa", die für die Umsetzung des Leonardo da Vinci- Programms in Deutschland zuständig ist, steht euch für Fragen unter Tel.: 0228 1071608 zur Verfügung.

    Parlamentarisches Patenschaftsprogramm (PPP)
    Über das Parlamentarische Patenschaftsprogramm des Deutschen Bundestages und des Amerikanischen Kongresses werden Stipendien für einen Arbeitsaufenthalt in den USA für junge Berufstätige aus kaufmännischen, technischen, handwerklichen und landwirtschaftlichen Berufen mit abgeschlossener Berufsausbildung vergeben. Weitere Infos gibt es hier

    Handwerker/-innen auf Wanderschaft
    Die französische Gesellenvereinigung "Compagnons du Devoir" unterstützt junge Handwerker-/innen bis 23 Jahre mit abgeschlossener Lehre, die in Frankreich auf Wanderschaft gehen wollen. Auf eurer „Tour de France“ lernt ihr verschiedene französische Handwerksbetriebe und Arbeitsmethoden kennen. Auskünfte erteilt die "Association ourvrière des Compagnons du Devoir Deutschland e.V." unter Tel.: 0221 504760. Weitere Infos auf Französisch findet ihr unter: www.compagnons-du-devoir.com.

    "let's go"
    Die Initiative "let's go" informiert sowohl Auszubildende als auch Betriebsinhaber und Betriebsinhaberinnen über Auslandsaufenthalte während der handwerklichen Aus- und Weiterbildung.
    www.letsgo-handwerk.de (Infodienst für Betriebe)                                        
    www.letsgoazubi.de (Community für weltoffene Azubis)

     

    Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ): www.giz.de
    Die GIZ bietet jungen Menschen während der Ausbildung die Chance, weltweit Berufserfahrung zu sammeln. Die Programme könnt ihr euch auf der Internetseite vom GIZ ansehen oder gezielt danach suchen. Die Informations- und Beratungsstelle, die auch beim GIZ angesiedelt ist, informiert über Programme der beruflichen Aus- und Weiterbildung für junge Fach- und Führungskräfte aus Deutschland im Ausland. In der Datenbank "Weiterbildung ohne Grenzen" findet ihr 170 Programme von 60 Anbietern.

    GIZ– Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH
    Friedrich-Ebert-Allee 40
    53113 Bonn
    Tel.: +49 228 4460 - 0
    Fax: +49 228 4460 - 1766
    Internet: www.giz.de

    ASA-Programm: www.asa-programm.de
    Über das ASA-Programm habt ihr die Möglichkeit, ein Teilstipendium für einen 3-6 monatigen Arbeits- und Studienaufenthalt bei einer entwicklungspolitischen Organisation in Afrika, Asien, Lateinamerika oder Südosteuropa zu erhalten. ASA bereitet euch auf den Aufenthalt vor und teilfinanziert die Reise- und Aufenthaltskosten. Bewerben können sich junge Leute zwischen 21 und 30, die eine  Berufsausbildung abgeschlossen haben, deren Bachelorabschluss nicht länger als 18 Monate zurückliegt oder die derzeit studieren (Universität oder Fachhochschule). Der Bewerbungszeitraum ist immer vom 10. November bis zum 10. Januar des Folgejahres.  Bewerbungen sind ausschließlich online möglich. Weitere Informationen zum ASA-Programm findet ihr hier.
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