Unterstützerkreise – eine Finanzierungsmöglichkeit für deinen Freiwilligendienst
Warum muss ich für meinen Freiwilligendienst Geld bezahlen?
„Warum soll ich denn für einen Freiwilligendienst, der im Ausland stattfindet, 5.000 € bezahlen? Ich arbeite doch dort für ein Jahr??“ Diese Frage stellen viele Jugendliche. Aus dem Blickwinkel der Organisationen, die Jugendliche im Ausland aufnehmen, klärt sich die Frage schnell: Für jede/jeden Deutschen, der aus dem Ausland eingeflogen wird und der zwar freiwillig arbeitet, fallen aber Reisekosten, Unterbringungs- und Verpflegungskosten, Verwaltungs- und Betreuungskosten, Seminarkosten usw. an. Meist kommen die Freiwilligen direkt von der Schule, sprechen die Landessprache nicht, sind das vielleicht tropische Klima nicht gewohnt und müssen auf jeden Fall betreut und angelernt werden, was einen größerer Arbeitsaufwand bedeuten kann. Die meisten Projekte verdienen nichts an ihrer Arbeit und bekommen keine staatlichen oder kirchlichen Zuschüsse.
Was kostet ein Freiwilligendienst?
Europäischer Freiwilligendienst (EFD): Der EFD ist ein von der Europäischen Union gefördertes Programm und für die Freiwilligen kostenlos. Nähere Informationen gibt es unter www.go4europe.de
Freiwilliges Soziales/Ökologisches Jahr (FSJ/FÖJ): Das FSJ/FÖJ ist ein vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördertes Programm. Die staatliche Förderung reicht allerdings in der Regel nicht aus, um die Kosten eines Einsatzes im Ausland zu decken. Viele Trägerorganisationen verlangen daher von ihren Bewerber/-innen, einen so genannten Unterstützerkreis aufzubauen. Nähere Informationen findet ihr unter http://pro-fsj.de, www.foej.de oder auf den Seiten des BMFSFJ.
Entwicklungspolitischer Freiwilligendienst "weltwaerts": Weltwärts wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert. Die Teilnahme ist kostenfrei, aber auch hier reicht die staatliche Förderung in der Regel nicht aus. Es wird von den Freiwilligen erwartet, dass sie sich bereits in Deutschland bei ihren Entsendeorganisation engagieren und einen Unterstützerkreis aufbauen. Mehr Infos bekommt ihr unter www.weltwaerts.de
Andere Freiwilligendienste und Friedensdienste: Die meisten Freiwilligentätigkeiten finden außerhalb der geförderten Freiwilligendienste statt und kosten somit Geld. Auch hier leistet der Aufbau eines Unterstützerkreises einen wichtigen Finanzierungsbeitrag.
Viele Organisationen bieten gleichzeitig diese verschiedenen Typen des Freiwilligendienstes an. Vergesst also nicht genau nach zu fragen, im Rahmen welchen Programms euch ein Projektplatz angeboten wird und welche Kosten auf euch zukommen.
Ausführliche Informationen zum allen oben gennaThema Freiwilligendienst findet ihr in unserem Themenspecial.
Was ist ein Unterstützerkreis?
Ein Unterstützerkreis besteht aus mehreren Personen, die sich bereit erklären, einen Beitrag zur Finanzierung eures Freiwilligendienstes zu leisten. Das heißt, ihr werbt Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte an, die euch und euer Projekt mit einer Spende unterstützen. Über Höhe und Dauer der Förderung kann jeder Spender in der Regel selbst entscheiden, üblich ist ein monatlicher Beitrag. Eure Unterstützer können z.B. für die Dauer eures Dienstes 5 - 10 € im Monat spenden.
Der Förderkreis der Freiwilligen ist jedoch nicht nur Geber, er bekommt für sein Engagement auch eine Gegenleistung: Ihr lasst den Unterstützerkreis teilhaben an eurem Freiwilligendienst, indem ihr z.B. in einem regelmäßigen Rundbrief über eure soziale Arbeit im Ausland, von euren Erfahrungen, Erlebnissen und Begegnungen vor Ort berichtet. Eure Sponsoren können gleichzeitig „Paten“ für euch sein, euch während eurer Dienstzeit begleiten und euch bei Fragen und Problemen beistehen. Ihre Unterstützung und eure Berichte ermöglichen zudem eine Verbreitung der Ideen des Freiwilligendienstes und des gesellschaftspolitischen Engagements.
Die Spenden werden der Organisation zugeführt, die euch entsendet und dienen beispielsweise zur Deckung der Kosten für Vermittlung, Vorbereitung, Anreise, Unterkunft und Verpflegung. Ob bzw. welche weiteren Kosten (z.B. Visumskosten, Impfkosten…) euch entstehen, müsst ihr bei den einzelnen Organisationen nachfragen. Alle Spender erhalten eine Spendenquittung, die sie steuerlich absetzen können.
Der durch Spenden zu finanzierende Betrag variiert von Organisation zu Organisation und ist auch abhängig vom Einsatzland. Innerhalb Europas sind monatliche Beträge von ca. 150 bis 300 Euro zu sammeln. Bei Einsätzen in Afrika und Lateinamerika sind die Beiträge meist höher, da die Reisekosten höher sind und die Projektpartner in der Regel nicht über die finanziellen Mittel verfügen, um Anreise oder Unterkunft und Verpflegung für die Freiwilligen bezahlen zu können. Häufig ist der vollständige Unterstützerkreis eine Voraussetzung für eure Ausreise.
Wie baue ich mir einen Unterstützerkreis auf?
Hier ist eure Eigeninitiative, eure Kreativität und euer Erfindungsreichtum gefragt. Geht selbstbewusst und mit Begeisterung und Überzeugungskraft auf Menschen in eurem Umfeld zu und erklärt ihnen euer Projektvorhaben und eure persönlichen Beweggründe für euren Einsatz. Fragt sie, ob sie durch einen kleinen monatlichen Beitrag euren konkreten Freiwilligendienst unterstützen wollen. Vermittelt ihnen das Gefühl, etwas Sinnvolles zu fördern. Denn indem die Unterstützer euch unterstützen, leisten sie selbst einen Beitrag zum Frieden/zur Völkerverständigung.
Unterstützer und Unterstützerin für euren Freiwilligendienst kann jeder werden. Ansprechen könnt ihr
- Familie und Verwandtschaft
- Freunde und Freundinnen von euch oder euren Eltern
- Bekannte z.B. aus dem Sportverein, dem Pfadfinderverein, dem Kirchenchor, dem Orchester…
- Kollegen und Kolleginnen
- Gruppen und Vereine
z.B. Rotary Clubs (http://www.rotary.de/), Lions Clubs (http://www.lionsclubs.org)
- Mitglieder der örtlichen Kirchengemeinde
- (ehemalige) Lehrerinnen und Lehrer
- Stadträte, andere Kommunalpolitiker oder eure Landtagsabgeordneten und Bundestagsabgeordneten. Unter http://www.bundestag.de/ findet ihr eure Wahlkreisabgeordnete/ euren Wahlkreisabgeordneten heraus.
- Stiftungen. Stiftungen recherchieren könnt ihr unter http://www.stiftungsindex.de/
- Firmen und Betriebe
- ...
Überlegt euch, welche Personen, Institutionen Beziehungspunkte zu eurem Projekt, eurem Gastland, eurem Projektthema haben. Wichtig ist, dass ihr eine persönliche Beziehung zu Personen und Institutionen herstellt, die ihr ansprecht. Recherchiert also zuerst, wer der richtige Ansprechpartner für euer Anliegen sein könnte. Der direkte Kontakt z.B. über das Telefon oder über einen Besuch führt eher zum Ziel als eine unpersönliche E-Mail. Ihr könntet auch einen eigenen Flyer entwickeln, auf dem ihr euch selbst, euer Projekt und eure Motivation beschreibt und den ihr möglichen Sponsoren in die Hand gebt. Argumentiert mit den Kosten, die bei eurem Freiwilligendienst entstehen. Fragt bei eurer Entsendeorganisation nach, wie diese und wie euer Projekt finanziert wird.
Eure Unterstützer freuen sich und sind eher bereit, euch zu sponsern, wenn ihr sie in eure Auslandserfahrungen miteinbezieht. Das kann z.B. so aussehen:
- Während des Auslandsaufenthaltes: Rundbriefe schreiben, Fotos schicken, eine eigene Website pflegen
- Nach der Rückkehr: einen Vortrag halten, zu einer Dia-Show einladen, landestypisch kochen, eine kleine (Foto)ausstellung basteln und zur Verfügung stellen
- Eurer Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt!
Wie wäre es, wenn ihr die Lokalredaktion eurer Zeitung oder eures Regionalradios ansprechen würdet? Ein kleiner Artikel oder ein Bericht kann neue Förderer gewinnen. Hier dürft ihr nur nicht vergessen, die Spendenkontonummer am Ende des Artikels anzugeben. Im besten Fall tritt eure Lokalzeitung sogar eurem Unterstützerkreis bei, wenn ihr regelmäßig Artikel aus eurem Dienst schickt. Genauso ansprechen könnt ihr z.B. passende Verbände und Unternehmen/Organisationen, denen ihr Artikel für die Verbandszeitung bzw. die Unternehmenszeitung/Homepage versprecht.
Hilfestellung und Tipps zum Aufbau eines Unterstützerkreises stellen euch eure Entsendeorganisationen zur Verfügung. Einige Organisationen bieten spezielle Informations-seminare an.
Weitere Tipps:
Informationen zum Aufbau eines Unterstützerkreises finden sich auch auf der Homepage des Service Civil International (SCI) unter
http://www.sci-d.de/cms/index.php?id=9,86,0,0,1,0
Eine weitere Möglichkeit seinen Freiwilligendienst zu finanzieren, ist über
Fundraising: Warum nicht Kuchen und Punsch in der Schule oder der Gemeinde verkaufen, auf der Straße musizieren oder eine Benefiz-Veranstaltung organisieren und Spenden sammeln? Tipps zum Fundraising findet ihr unter:
http://www.dija.de/foerdertipps/eigene-hand/